
Liebeskummer mit 46: Was mir gerade hilft (Teil 2)
Kein 10-Punkte-Plan. Kein "5 Tipps für einen schnellen Neuanfang". Sondern das, was ich wirklich getan habe.
Es gibt diesen Moment, in dem man aufhört zu googeln, wie lange Liebeskummer dauert. Weil man irgendwann merkt: Es gibt keinen Zeitplan. Es gibt nur das, was man tut — und was einem dabei hilft, den nächsten Tag zu überstehen.
Das hier ist meine ehrliche Liste.
Nicht perfekt. Nicht vollständig.
Aber eine echte, die mir gerade hilft.
Die Arbeit als Anker — nicht als Flucht
Ich habe weitergemacht. Meetings, Entscheidungen, Deadlines. Nicht weil ich funktionieren musste, sondern weil es mir etwas gegeben hat: das Gefühl, noch irgendwo zu stehen.
Die Arbeit war kein Ort, um den Schmerz zu vergessen. Aber sie war ein Ort, an dem ich noch wusste, wer ich bin. An dem jemand auf mein Urteil gewartet hat. An dem ich gebraucht wurde.
Das hat nicht den Herzschmerz weggemacht. Aber es hat mir einen Rahmen gegeben, in dem der Tag trotzdem einen Anfang und ein Ende hatte.
Auf dem Klo weinen — und das ist vollkommen in Ordnung
Ja, ich war das. Die Führungskraft, die mitten im Arbeitstag auf der Toilette verschwindet.
Und weißt du was? Ich bereue es nicht.
Die Trauer hat sich ihren Weg gebahnt — ob ich wollte oder nicht. Und lieber kurz auf dem Klo als mitten im Meeting, denn der Träger ( mein Personalchef - er hat super viel Ähnlichkeit mit dem Mann den ich losgelassen habe) saß mit in der Veranstaltung. Dann die Erkenntnis: Es tut weh. Und das darf sein.
Mit Freundinnen reden — und endlich verstehen, was passiert ist
Nicht nur reden. Verstehen.
Das ist der Unterschied für mich. Es gab Gespräche, die mich einfach nur entlastet haben — das war wichtig. Aber es gab auch Gespräche, nach denen ich plötzlich einen Gedanken hatte, den ich vorher noch nicht denken konnte. Ein Puzzle-Teil. Ein "Ach so war das."
Manchmal brauchen wir die Außenperspektive nicht, um uns besser zu fühlen. Sondern um klarer zu sehen. Um zu verstehen, was da eigentlich passiert ist — in der Beziehung, in mir, zwischen uns.
Das hat nicht weniger wehgetan. Aber es hat einen Unterschied gemacht zwischen blindem Schmerz und Schmerz mit Kontur. Langsam kann ich den Gedanken zulassen, dass ich nicht den Menschen betrauere ( so wie er mich behandelt hat, sollte man ihn eher in die Hölle schicken) sondern die Zukunft, die ich mit ihm gesehen habe. Aber er sah die Zukunft mit einer anderen - 4 Wochen nach unserer Trennung.
Der Flug, den ich gebucht habe
Irgendwann habe ich einen Flug zu meiner Cousine gebucht.
Nicht weil ich "Abstand brauchte" — dieser Satz ist mir zu glatt. Sondern weil ich wusste: Ich brauche ein Wochenende, in dem ich nicht die Mutter bin, nicht die Führungskraft, nicht die Frau mit dem gebrochenen Herzen — sondern einfach ich. Bei jemandem, der mich kennt und ablenkt.
Manchmal ist das Buchen des Fluges schon die halbe Heilung, obwohl ich super ungerne Fliege. Der Moment, in dem man sagt: Ich tue etwas für mich. Aktiv. Mit Datum. Jetzt freue ich mich auf ein Wochenende in Bayern.
Lesen und Journalen — die stillen Helfer
Ich habe gelesen. Nicht als Ablenkung — eher als Reise in Gedankenwelten, die nicht meine waren. Eine kleine Auszeit vom eigenen Kopf.
Und ich habe gejournalt. Ohne Struktur, ohne Ziel. Einfach geschrieben, was da war. Manchmal wirres Zeug. Manchmal ein Satz, der mich überrascht hat. Manchmal nur: Heute ist es schwer.
Das Journaling hat mir etwas gegeben, das Gespräche manchmal nicht können: die Stille danach. Wenn man aufschreibt, was im Kopf kreist, hört es manchmal auf zu kreisen - aus den Gedanken aus dem Sinn.
Zeit mit meinen Kindern
Das klingt vielleicht banal. Ist es aber nicht.
Kinder erden. Sie fragen nicht nach dem Warum. Sie wollen einfach, dass du da bist — mit ihnen schaust, lachst, isst, streitest, wieder lachst. Diese Momente haben mich manchmal mitten in den schlimmsten Tagen geerdet. Nicht weil sie die Trauer weggemacht haben. Sondern weil sie mich daran erinnert haben, dass es noch anderes gibt. Dass ich noch jemandes Mutter bin und sie mich unendlich lieb haben.
Was ich noch nicht gefunden habe ...
Dies ist meine zweite Trennung. Und irgendwie, obwohl ich älter bin und mehr weiß und mehr erlebt habe, suche ich immer noch meinen Weg durch das, was Liebeskummer mit mir macht.
Es gibt keinen Moment, an dem man "fertig" ist mit dem Lernen, wie man durch Herzschmerz geht. Jede Trennung ist anders. Jede hinterlässt andere Spuren. Und vielleicht ist der einzige echte Fortschritt nicht, schneller darüber hinwegzukommen — sondern ehrlicher damit umzugehen.
Ich bin noch dabei. Ich finde noch heraus, was mir guttut und was nicht. Manchmal fühlt sich das unreif an für jemanden in meinem Alter. Meistens fühlt es sich einfach menschlich an weil man sich fragt :
- Und was kommt jetzt ?
- Wer kommt jetzt ?
- Kommt noch einmal jemand oder möchte ich noch jemanden in mein Leben lassen, wenn man weiß wie doll es schmerzen kann ?
Ich habe noch nicht alles für mich beantwortet und merke aber, dass ich offener bin und sich ein mini Funke Hoffnung zeigt, dass bald alles wieder gut wird.
Und bis dahin ? Genieße ich einfach mein Leben ....
Wenn du gerade auch mitten drin bist — was hat dir bisher geholfen? Ich freue mich über deine Nachricht in den Kommentaren.