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Wale kriegen auch die Wechseljahre – und ich dachte immer, das wäre nur mein persönliches Pech

Meine Freundin ruft mich an. Aufgeregt. Nicht wegen eines neuen Restaurants, nicht wegen einer Sale-Aktion. Nein. Sie hat mir gerade erzählt, dass ich etwas mit einem Orca gemeinsam habe.

Ich war kurz sprachlos.

„Wale", sagt sie, „bestimmte Wale kriegen auch die Wechseljahre."

Ich halte inne. Schaue aus dem Fenster. Denke an meine letzte Nacht mit Hitzewallungen, das Vergessen des Namens von diesem Ding, mit dem man Nudeln abgießt – Sieb! SIEB! – und meine plötzliche Begeisterung fürs Weinen beim Supermarkt-Werbespot.

Und dann denke ich: Ehrlich gesagt... macht das irgendwie Sinn.

Willkommen im exklusivsten Club der Natur

Fünf Walarten – darunter Orcas und Belugas – und der Mensch teilen als einzige Säugetiere eine ganz spezielle Laune der Natur: die Wechseljahre. Alle anderen Tiere? Die pflanzen sich munter bis zum letzten Atemzug fort. Kein Drama, kein Hormonchaos, kein nächtliches Googeln von „Hitzewallung mitten im Meeting was tun". 

Bei fast allen bekannten Tierarten pflanzen sich die Weibchen bis an ihr Lebensende fort – Wechseljahre gibt es bei ihnen nicht.

Wir – Frauen und Wale – haben uns also irgendwo evolutionär für einen anderen Weg entschieden. Oder die Evolution hat das für uns entschieden. Je nach Stimmungslage an diesem Tag bin ich entweder stolz darauf oder leicht sauer.

Aber warum eigentlich? Die Großmutter-Theorie

Jetzt wird es spannend. Und tröstlich.

Damit die Menopause aus evolutionärer Sicht sinnvoll ist, muss eine Tierart einen guten Grund haben, mit der Fortpflanzung aufzuhören und danach trotzdem noch weiterzuleben.

Bei uns Menschen lautet die gängige Theorie: Ältere Frauen, die nicht mehr selbst Kinder bekommen, haben Zeit und Energie, um den Nachwuchs der jüngeren Generation zu unterstützen. Sie geben Wissen weiter. Sie helfen. Sie halten zusammen. Kurzum: Die erfahrene Frau ist keine Auslaufware – sie ist ein Community-Asset.

Und bei den Orcas? Ganz ähnlich. Laut einer Studie legen die Weibchen nach der Menopause eine besondere soziale Verhaltensweise an den Tag: Sie schützen ihren Nachwuchs vor gewalttätigen Angriffen anderer Wale. Die Orca-Oma ist also im Grunde die Bodyguard der Familie. Mit Lebenserfahrung. Ohne Schnickschnack.

Ich finde das wunderschön. Und irgendwie beruhigend.

Die Hormongeschichte, die uns verbindet

Was mich dann wirklich umgehauen hat: Anhand von Urinproben konnte nachgewiesen werden, dass die Weibchen während der Menopause eine Hormonumstellung durchlaufen – ähnlich wie Frauen. 

Also sitzt irgendwo im Nordpazifik gerade eine Orca-Dame, und ihr Hormonhaushalt macht dasselbe Chaos wie meiner.

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich mache beides. (Das ist auch ein Perimenopause-Symptom, nur der Vollständigkeit halber.)

Was Orca-Weibchen uns vorausleben

Hier kommt der Teil, den ich persönlich brauche:

Weibliche Vertreter von Walspezies, die eine Menopause durchlaufen, leben rund 40 Jahre länger als ähnlich große Weibchen anderer Arten – und überleben häufig auch die männlichen Exemplare ihrer eigenen Spezies.

Manche Orca-Damen werden über 80 Jahre alt. Die Männchen sterben oft mit ungefähr 40.

Ich sage das nur so.

Die Post-Menopause ist bei Orcas also keine Endstation – es ist der Beginn der längsten, erfahrensten Phase ihres Lebens. Eine Phase, in der sie zur wichtigsten Persönlichkeit ihrer Gruppe werden.

Das klingt für mich weniger nach Verlust und mehr nach Beförderung.

Was ich aus diesem Gespräch mit meiner Freundin mitgenommen habe

Erstens: Sie hat zu Recht angerufen.

Zweitens: Das, was viele von uns gerade erleben – dieses Kribbeln, Schwanken, Vergessen, Fühlen, Schwitzen – ist kein Defekt. Es ist ein biologisches Phänomen, das so selten und besonders ist, dass es in der gesamten Tierwelt nur eine Handvoll Arten kennt.

Drittens: Wenn der Orca das kann – diese riesige, majestätische, vollkommen unbeeindruckte Schönheit des Ozeans – dann können wir das auch.

Wir sind in guter Gesellschaft.

Auch wenn unsere Gesellschaft meistens keine Flossen hat.

Hallo, ich bin Ines,

Ich bin 46, Führungskraft, Mutter, Perfektionistin mit Humor und mitten in der Perimenopause.

Auf diesem Blog spreche ich über Wechseljahre, Karriere, Ernährung und die kleinen Momente, in denen man sein Handy sucht, während man es in der Hand hält.

Schön, dass du hier bist.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und Unterhaltung und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenn du rund um die Perimenopause Fragen oder Beschwerden hast, lohnt sich immer das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt, dem du vertraust.

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